Bestattungen im Judentum

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Ein Davidstern auf einem Grabstein - jüdische Bestattungen haben ihre eigenen Rituale. - © Morad HEGUI/ stock.adobe.com
Ein Davidstern auf einem Grabstein - jüdische Bestattungen haben ihre eigenen Rituale. (© Morad HEGUI/ stock.adobe.com)

Anders als im christlichen Glauben, sind im Judentum ausschließlich Erdbestattungen gestattet. Die Bestattung findet vergleichsweise früh nach dem Ableben statt, in der Regel bereits am Sterbetag oder am darauffolgenden Tag. In vielen Ländern ist eine solch rasche Beerdigung nicht gestattet. In diesem Fall findet die Bestattung frühestens nach 48 Stunden statt.

Am Sterbebett sind oft einige Verwandte und Freunde anwesend. Viele Juden beten im Sterben die Verse des Schuldbekenntnisses und werden dabei von den Angehörigen begleitet. Dieser Brauch dient der Bekennung zu Gott und der Reue vergangener Sünden. Idealerweise ist das letzte Wort eines Juden „echad”. Es kommt aus dem Hebräischen und bedeutet „einzig”. Nach dem Ableben beten die Angehörigen des Verstorbenen das Glaubensbekenntnis, das sogenannte „Schma Israel". Anschließend werden Mund und Augen des Toten geschlossen.

Nach jüdischem Brauch wird der Verstorbene vor dem Begräbnis gewaschen und in ein weißes Leinentuch gekleidet. Dies geschieht im sogenannten „Taharahaus". In der Regel übernimmt das die „Chewra Kadischa” − das Äquivalent zum christlichen Bestatter. Diese Tradition nennt man „Chessed schel Emet” oder zu Deutsch: „Wahrhaftiger Dienst der Nächstenliebe”. Der oder die Tote wird während dieser Zeit nie alleingelassen: Ein Schomer (Wächter) sitzt bei und sagt verschiedene Psalme auf.

Eine jüdische Trauerzeremonie wird von einem Rabbiner geleitet. Die Trauerfeier selber findet, wie im Christentum, in einem gesonderten Raum statt. Der Rabbiner leitet die Zeremonie und hält die Trauerrede. Anschließend betet die Trauergemeinde das „Zidduk ha-din”. Nach alten Brauch, reißen die Angehörigen des Verstorbenen ein Kleidungsstück am Hals ein − ein symbolischer Akt, der den Riss im Herzen der Angehörigen widerspiegelt.

Nachdem der Sarg ins Grab gelassen wurde, wirft jeder Angehörige drei Hände voll Erde auf den Sarg. Dabei wird eine bestimmte Formel vorgetragen. Das „Kaddisch”, das Totengebet, beendet die Zeremonie. Zuletzt waschen noch vor dem Verlassen des Friedhofs die Angehörigen ihre Hände.